Montag, 28. März 2011

Fernsehkrimi: Herausragende Tatort-Folge »Im Netz der Lügen«

Eva Mattes
Bild: ©Rainer Lück
Quelle:
Wikipedia, Creative Commons
Obwohl sich dieses Blog ansonsten hauptsächlich mit Krimiliteratur beschäftigt, komme ich nicht umhin, über die gestrige ARD-Tatortfolge zu berichten, denn ich fand sie einfach grandios. In »Im Netz der Lügen« steht einer gewohnt-starken Eva Mattes eine nicht minder starke Frauenfigur gegenüber: Richterin Göttler, beim morgendlichen Jogging überfallen, geriert sich nicht als Opfer sondern wehrt sich handfest, indem sie den Angreifer mit einer Gewichtsmanschette erschlägt.

Dass da mehr dahintersteckt als ein glasklarer Fall von Notwehr, konnten erfahrene Tatort-Fans natürlich ahnen, denn andernfalls wäre der Film nach zehn Minuten zu Ende gewesen. Trotz dieser unvermeidlichen Vorahnung entwickelte sich vor den Augen der Zuschauer eine atemberaubend fein gesponnene Kausalkette, die den Film keine Minute langweilig werden ließ.

Karin Giegrich schlüpft mit Haut und Haaren in die Rolle der Richterin Göttler und macht die Abgründe dieser taffen Erfolgsfrau in beklemmender Weise nachfühlbar. Trotz ihrer großen Fähigkeit, die Wahrheit zu erkennen, ist auch Göttler nicht davor gefeit, ein Fehlurteil zu fällen. Ihre persönlichen Kindheitserfahrungen mit einem gewalttätigen Vater trüben die Makellosigkeit ihres Urteilsvermögens beim Thema Gewalt und lassen sie wiederum zum Opfer, nämlich ihres eigenen Kopfkinos, werden.

Dennoch stellt die Figur der Richterin Göttler einen Fortschritt dar. Wie schön, dass Frauen im Krimi einmal nicht als wehrlose, wimmernde Geschöpfe gezeigt werden sondern als starke Persönlichkeiten, die den Kampf aufnehmen und ebenbürtige Gegner darstellen. Daran ändert auch Göttlers letztendliches Scheitern nichts. Vielmehr fügt es ihrer Person eine weitere Ebene hinzu, die sie uns am Ende des Films zutiefst menschlich erscheinen lässt.

Treffen zwei derart starke Frauenfiguren wie Klara Blum und Richterin Göttler aufeinander, dann ist hochdramatische Krimispannung garantiert, und das alles ohne »Ich bin das arme Opfer«-Gewimmer, das sonst so oft zum Ausdruck bringen soll, dass man Frauen nicht wirklich ernst nehmen kann. Bitte mehr von dieser Art!

Eine Antwort auf:
http://unterhaltung.t-online.de/-tatort-kritik-loecher-ohne-ende-im-netz-aus-luegen-/id_45157212/index?news
Related Posts with Thumbnails