Viele Jahre waren vergangen, aber bisher konnte sie nicht vergessen, was ihr Peiniger, ihr angetan hatte. Er verfolgte sie bis in ihre Träume und niemand war da, der sie hätte trösten können. Sie war besessen von dem Wunsch, ihn zu vernichten.War es Zufall, oder eine Fügung des Schicksals, dass sie ihn endlich wieder getroffen hatte? Ihr vor Hass aufschäumendes Herz schlug wild und unregelmäßig. Die Nerven behalten und nur keinen Fehler machen, beruhigte sie sich. Er würde kriegen, was er verdiente. Er, der ihr soviel angetan und sie samt ihrer weiblichen Vorfahren als Hexe bezeichnet hatte. Gedroht hatte er ihr. Würde sie nicht schweigen, würde auch sie lichterloh brennen. Sie, damals ein Kind noch, eingeschüchtert und verängstigt, hatte die Wahrheit für sich behalten.
Sie ließ ihn nicht aus den Augen, obwohl die fröhlich lachenden Menschen auf dem Idsteiner Weinfest ihr immer wieder die Sicht versperrten. Sie sah die Sonne nicht mehr und auch nicht den blauen Himmel. Jetzt galt es, der Gerechtigkeit zu dienen. Gerechtigkeit auf ihre Art. Vielleicht auch Rache. Ja, Rache und Gerechtigkeit. Für einen kurzen Moment streifte ihr Blick den Hexenturm. Ihre verwundete Seele blutete, wie einst. Sie ließ ihn nicht mehr aus den Augen …
Der Hexenturm in Idstein ist einer der Schauplätze des Krimis. Hier beginnt die Handlung dieses Romans.
Text und Coverabbildung: ©Rita Hajak (Coverentwurf vorläufig)
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